Personal Brand vs. Firmenlogo: Warum Menschen Menschen folgen
Mach ein kleines Experiment: Öffne Instagram oder LinkedIn und schau dir an, wem du folgst. Wie viele davon sind Firmenseiten mit Logo als Profilbild? Und wie viele sind Menschen?
Bei den meisten fällt die Antwort deutlich aus. Wir folgen Gesichtern, nicht Logos. Und trotzdem starten viele Selbstständige ihren Social-Media-Auftritt als anonyme Firmenseite — mit Logo, „wir"-Formulierungen und Stockfotos. Meistens, weil es sich sicherer anfühlt.
Warum Firmenseiten es so schwer haben
Ein Logo kann keine Geschichte erzählen. Es hat keine Meinung, keine Fehler, keine Entwicklung. Ein Beitrag von „Müller Consulting GmbH" über Zeitmanagement liest sich wie Werbung. Derselbe Beitrag von „Stefan Müller, Berater" liest sich wie ein Tipp von jemandem, der das Thema kennt.
Dazu kommt die Vertrauensfrage. Wer einen Coach oder Berater bucht, kauft keine Dienstleistung von der Stange — er kauft die Zusammenarbeit mit einer Person. Bevor jemand bei dir bucht, will er wissen: Wie tickt die Person? Kann ich mit ihr? Ein Firmenprofil beantwortet diese Fragen nicht. Ein persönliches Profil beantwortet sie mit jedem Beitrag ein Stück mehr.
Auch die Plattformen selbst spielen mit. Inhalte, die Reaktionen und Gespräche auslösen, werden mehr Leuten gezeigt. Und persönliche Beiträge lösen schlicht mehr Reaktionen aus als Firmenposts. Nicht weil ein geheimer Schalter umgelegt wird, sondern weil Menschen auf Menschen reagieren.
„Aber ich will mich nicht in den Mittelpunkt stellen"
Das höre ich oft, gerade von Beratern und Coaches aus kleineren Städten. Der Gedanke dahinter ist meist: Personal Branding bedeutet, ständig das eigene Gesicht in die Kamera zu halten und das Privatleben auszubreiten.
Muss es nicht. Eine Personal Brand heißt erstmal nur: Es ist erkennbar, dass hinter dem Angebot ein Mensch steht. Das kann bedeuten, dass du unter deinem Namen schreibst statt unter dem Firmennamen. Dass ab und zu ein echtes Foto von dir auftaucht statt einer Grafik. Dass du „ich" schreibst statt „wir", wenn du sowieso alleine arbeitest.
Wie viel Persönliches du teilst, entscheidest du. Es gibt erfolgreiche Personal Brands, die nie über Familie oder Wochenende posten. Fachliche Nähe reicht oft schon: deine Sicht auf dein Thema, deine Erfahrungen aus der Arbeit, deine Meinung zu dem, was in deiner Branche gerade passiert.
Wann eine Firmenmarke trotzdem Sinn ergibt
Ganz ehrlich: Es gibt Fälle, in denen die Firmenmarke die bessere Wahl ist. Wenn du planst, ein Team aufzubauen und das Unternehmen irgendwann ohne dich funktionieren soll. Oder wenn du ein Produkt verkaufst, das unabhängig von deiner Person besteht.
Aber für Coaches, Berater und die meisten Selbstständigen gilt: Du bist das Produkt. Deine Erfahrung, deine Art zu arbeiten, dein Blick auf die Dinge. Dann ist es unlogisch, genau das hinter einem Logo zu verstecken.
Ein Mittelweg funktioniert übrigens auch: Firmenname im Profil, aber dein Gesicht und dein Name klar sichtbar. So mache ich es selbst — Social-Lights ist die Marke, aber jeder sieht sofort, dass ich dahinterstecke.
Der erste Schritt
Wenn du bisher als anonyme Firmenseite unterwegs bist, musst du nicht alles umwerfen. Fang mit einem Beitrag an, in dem du dich vorstellst. Wer du bist, wem du hilfst, warum du das machst. Solche Vorstellungs-Posts gehören fast überall zu den Beiträgen mit den meisten Reaktionen — weil sie genau das liefern, wofür Menschen auf diesen Plattformen sind: einen anderen Menschen.
